Warum ich Leasingräder immer kritischer sehe

Eigentlich halte ich das Dienstrad-Leasing für eine geniale Idee.

Mitarbeiter kommen günstiger an hochwertige Fahrräder, Arbeitgeber können ihren Beschäftigten ein attraktives Angebot machen und mehr Menschen steigen aufs Fahrrad um.

Auf dem Papier ist das eine klassische Win-Win-Situation.

Und genau deshalb habe ich das System viele Jahre unterstützt.

Leider stelle ich jedoch zunehmend fest, dass die Realität hinter den Werbeversprechen oft deutlich komplizierter aussieht.

Denn während Leasinganbieter verständlicherweise ihre Verträge verkaufen möchten, landen viele der praktischen Probleme, Rückfragen, Diskussionen und Verwaltungsaufgaben am Ende bei den Fahrradwerkstätten und Fachhändlern.

Genau dort beginnt aus meiner Sicht das eigentliche Problem.

Der Kunde versteht die Welt nicht mehr

Viele Leasingkunden gehen davon aus, dass Wartung, Verschleiß und Inspektionen vollständig übernommen werden.

Das klingt in der Werbung oft auch genau so.

In der Praxis sieht es jedoch häufig anders aus.

Ein einfaches Beispiel:

Eine reguläre E-Bike-Inspektion kostet in meiner Werkstatt 168 Euro.

Für viele meiner Stammkunden berechne ich aktuell sogar nur 120 Euro.

Dann kommt ein Leasinganbieter und sagt sinngemäß:

„Wir bezahlen dafür aber nur 90 Euro.“

Der Kunde steht anschließend bei mir in der Werkstatt und fragt sich völlig zurecht:

„Moment mal, ich habe doch ein Servicepaket abgeschlossen. Warum soll ich jetzt noch etwas dazu bezahlen?“

Und genau an dieser Stelle wird die Werkstatt zum Buhmann.

Nicht die Leasingfirma.

Nicht die Versicherung.

Nicht der Anbieter des Servicepakets.

Sondern die Werkstatt, die das Fahrrad tatsächlich wartet und repariert.

Die Bürokratie wird immer mehr

Was viele Nutzer nicht sehen:

Hinter einem Leasingrad steckt inzwischen oft ein erheblicher Verwaltungsaufwand.

Schäden melden.

Vorgaben prüfen.

Portale bedienen.

Nachweise hochladen.

Budgets kontrollieren.

Freigaben einholen.

Ich habe eine Fahrradwerkstatt.

Kein Versicherungsbüro.

Kein Leasingbüro.

Und ehrlich gesagt möchte ich meine Zeit lieber mit Fahrrädern verbringen als mit Verwaltungsaufgaben.

Ohne Werkstätten funktioniert das System nicht

Leasinganbieter verkaufen Verträge.

Werkstätten reparieren Fahrräder.

Das ist ein Unterschied.

Das gesamte Leasingmodell lebt davon, dass qualifizierte Werkstätten die Räder warten, reparieren und sicher auf der Straße halten.

Wenn immer mehr Werkstätten feststellen, dass der Verwaltungsaufwand steigt, die Vergütungen sinken und gleichzeitig immer neue Vorgaben dazukommen, dann wird das langfristig zu einem Problem.

Nicht nur für die Werkstätten.

Sondern auch für die Nutzer.

Was können Nutzer tun?

Wenn Sie ein Leasingrad fahren, sprechen Sie mit Ihrem Leasinganbieter.

Fragen Sie nach, welche Leistungen tatsächlich übernommen werden.

Fragen Sie nach, warum Werkstätten immer mehr Verwaltungsaufwand übernehmen müssen.

Und fragen Sie nach, warum am Ende häufig die Werkstatt erklären muss, warum trotz Servicepaket noch Kosten entstehen.

Denn die Idee des Dienstrad-Leasings ist gut.

Damit sie auch dauerhaft funktioniert, müssen jedoch alle Beteiligten fair behandelt werden – nicht nur die Leasinganbieter und nicht nur die Kunden, sondern auch die Werkstätten, die den Service überhaupt erst möglich machen.